Über den Wolken des Nordens: Mein Rundflug im Ultraleichtflieger

Wer an Fliegen denkt, hat oft die sterilen Kabinen großer Linienflugzeuge vor Augen. Doch es geht auch ganz anders: purer, intensiver und unvergesslich nah am Geschehen. Vor Kurzem hatte ich die Gelegenheit, unsere Region aus einer völlig neuen Perspektive zu erleben – an Bord eines modernen Kabinen-Ultraleichtfliegers. Eine Flugroute, die mich von der weiten Geestlandschaft bis an die raue Nordseeküste und wieder zurück führte.

Der Start: Abheben in Ganderkesee

Unser Abenteuer begann am Flugplatz Ganderkesee (EDWI). Nach dem obligatorischen Vorflugcheck und dem vertrauten Summen des Triebwerks hieß es auch schon: Start frei! Die Beschleunigung in einem Ultraleichtflieger ist unmittelbar, und ehe man sich versieht, verliert man sanft den Boden unter den Rädern. Ganderkesee wurde unter uns schnell kleiner, während wir auf unsere erste Flughöhe stiegen.

Von Wardenburg zum "Meer" des Ammerlandes

Die Route führte uns zunächst westwärts über Wardenburg. Aus der Vogelperspektive wird die Landschaft zu einer perfekt geordneten Miniaturwelt: Das sanfte Grün der Wiesen, die geschwungenen Kurven der Hunte und die typischen Wallhecken prägen das Bild.

Nur wenige Flugminuten später glitzerte uns bereits das Highlight des Ammerlandes entgegen: Bad Zwischenahn und das Zwischenahner Meer. Von oben sieht der drittgrößte See Niedersachsens fast kreisrund aus. Die Boote auf dem Wasser wirkten wie kleine weiße Stecknadelköpfe, die träge über das tiefe Blau glitten – ein absolut majestätischer Anblick.

Kurs Nord: Die unendliche Weite der Nordsee

Nach diesem Zwischenstopp drehten wir die Nase des Fliegers nach Norden. Je näher wir der Nordseeküste kamen, desto spürbarer veränderte sich die Landschaft. Das Grün der Wiesen wich dem faszinierenden Zusammenspiel von Land, Watt und Meer. Die frische Brise hoch oben in der Luft und der unendliche Horizont, an dem Wasser und Himmel miteinander verschmelzen, waren der absolute Höhepunkt des Fluges. Die Freiheit, die man in der komfortablen, voll verglasten Kabine des Ultraleichtfliegers spürt, ist kaum in Worte zu fassen.

Der Rückflug: Vorbei an der Hansestadt

Mit Rückenwind und voller neuer Eindrücke traten wir den Heimweg an. Der Flugweg führte uns elegant an Bremen vorbei. Aus sicherer Entfernung bot sich ein fantastischer Panoramablick auf die Hansestadt: Das Band der Weser, die markante Silhouette der Stadt und die Ausläufer des Hafens lagen uns buchstäblich zu Füßen.

Schließlich sank die Nase des Ultraleichtfliegers wieder tiefer, und die Landebahn in Ganderkesee kam in Sicht. Nach einer butterweichen Landung und dem Abstellen des Motors blieb vor allem ein Gefühl: Die Faszination, die eigene Heimat mit den Augen eines Vogels gesehen zu haben.


17.10.2021

Flug im Ultraleichtflieger