
Gary Moore – Die Stimme einer legendären Les Paul
Wenn es einen Musiker gibt, der die Grenzen zwischen Hard Rock und tief empfundenem Blues komplett eingerissen hat, dann ist es der nordirische Ausnahmegitarrist Gary Moore (1952–2011). Geboren in Belfast, entwickelte er sich zu einem der einflussreichsten und emotionalsten Gitarrenvirtuosen der Rockgeschichte. Seine Markenzeichen: eine beispiellose Fingerfertigkeit, ein unverwechselbarer, singender Ton und eine Bühnenpräsenz, die pure, rohe Energie ausstrahlte.
Eine musikalische Reise durch die Genres
Gary Moores Karriere war eine evolutionäre Reise. In den 1970ern feierte er erste große Erfolge in Bands wie Skid Row und prägte als temporäres Mitglied der irischen Rock-Ikonen Thin Lizzy deren Sound entscheidend mit – unvergessen bleibt seine Arbeit am Jahrhundert-Klassiker "Still in Love with You" oder der spätere Hit "Out in the Fields" mit seinem engen Freund Phil Lynott.
In den 1980er-Jahren dominierte er als Solo-Künstler die Hard-Rock- und Heavy-Metal-Szene mit Alben wie Run for Cover und Wild Frontier. Doch seine wahre musikalische Heimat fand er Anfang der 1990er-Jahre, als er radikal das Image wechselte und sich ganz seinen Wurzeln zuwandte: dem Blues. Mit dem Meilenstein "Still Got the Blues" (1990) schuf er das meistverkaufte Album seiner Karriere, spielte mit Legenden wie Albert King, Albert Collins und B.B. King und setzte sich selbst ein unvergängliches Denkmal.
Das Phänomen Gary Moore – Live auf der Bühne
Wer Gary Moore jemals live erleben durfte, weiß, dass seine Alben nur die halbe Wahrheit erzählen. Auf der Bühne war er eine Naturgewalt. Wenn er zu einem seiner legendären, minutenlangen Soli ansetzte – wie bei seiner Hymne "Parisienne Walkways", bei der er Töne scheinbar endlos in den Raum stellte –, hielt das Publikum den Atem an. Seine berühmte "Greeny" (eine 1959er Gibson Les Paul, die er seinem Mentor Peter Green abgelauft hatte) schien unter seinen Fingern regelrecht zu weinen und zu schreien.
"He played with a fierce intensity that few could match, putting his entire soul into every single bend."
16.04.1989
Bremen, Stadthalle
Tour: After The War - Worldtour
Support-Band: Victory
Das Konzert am 16. April 1989 war in mehrfacher Hinsicht denkwürdig. Gary Moore befand sich auf dem absoluten Höhepunkt seiner Hard-Rock-Ära, kurz bevor er sich mit Still Got the Blues stilistisch neu erfand. Für die norddeutschen Fans wurde der Abend in der Stadthalle jedoch durch eine ganz besondere Überraschung zum historischen Sammlerstück.
Das Rahmenprogramm & die Scorpions-Connection
Als Support-Act heizte die Band Victory dem Bremer Publikum ein. Zu diesem Zeitpunkt war Charlie Huhn der Sänger von Victory – und genau hier schließt sich der Kreis, denn Huhn war Jahre zuvor selbst festes Mitglied in Gary Moores Live-Band. Über Victory-Gitarrist Herman Frank und das Management gab es zudem eine extrem enge Verbindung zu den Scorpions.
Da die Scorpions im Frühjahr 1989 eine kurze Pause zwischen ihren Mammut-Tourneen einlegten, ließen es sich die Hannoveraner Rockstars nicht nehmen, beim Konzert in Bremen vorbeizuschauen.
Das Highlight des Abends: Klaus Meine auf der Bühne
Gegen Ende des regulären Sets oder während der Zugaben kam es zum großen Paukenschlag: Gary Moore bat Klaus Meine, den legendären Frontmann der Scorpions, als Überraschungsgast auf die Bühne.
Gemeinsam performten die beiden Ausnahmemusiker (unterstützt von Moores Weltklasse-Band, zu der unter anderem Chris Slade am Schlagzeug und Neil Carter an den Keyboards/Gitarre gehörten) eine energiegeladene Session. Da auf dem damaligen Studioalbum After the War eigentlich Ozzy Osbourne den prominenten Gastgesang beigesteuert hatte (beim Song Led Clones), war Klaus Meines Live-Auftritt in Bremen ein einmaliges Erlebnis, das sich so auf der restlichen Europatournee nicht wiederholte.
Warum es davon kaum Videomaterial gibt
1989 war die Ära vor den Smartphones. Bootlegs wurden damals mühsam mit klobigen Kassettenrekordern oder versteckten Super-8-/VHSC-Kameras aufgenommen. Da der Auftritt von Klaus Meine eine absolute Spontan-Aktion war, gibt es leider kein offizielles Videomaterial des Veranstalters. In Sammlerkreisen gilt dieses Bremen-Konzert aufgrund des Gastauftritts bis heute als „heiliger Gral“, von dem jeder hofft, dass irgendwann noch ein privates Tape in einem Keller auftaucht.

