
Rammstein: Zwischen Mythos, Feuer und brachialer Poesie
Kaum eine andere deutsche Band spaltet die Gemüter so sehr, fasziniert weltweilt Millionen Fans und prägt die Musiklandschaft seit Jahrzehnten so seismisch wie sie: Rammstein. Seit ihrer Gründung im Jahr 1994 in Berlin haben die sechs Musiker ein ganz eigenes, unverwechselbares Genre geschaffen. Oft der „Neue Deutsche Härte“ zugeordnet, ist Rammstein längst ein globales Phänomen, das Sprachbarrieren mühelos durchbricht.
Was macht die Faszination aus? Es ist das perfekte Zusammenspiel aus kontroversen, tiefgründigen Texten voller Metaphern, den schweren, marschierenden Gitarrenriffs und einer unverwechselbaren, tiefen Stimme von Frontmann Till Lindemann. Rammstein hält der Gesellschaft oft einen Spiegel vor – düster, provokant, aber eben auch voller lyrischer Finesse.
Mehr als ein Konzert: Das Phänomen live
Wer Rammstein einmal live erlebt hat, weiß: Das ist kein gewöhnlicher Konzertbesuch, das ist eine Naturgewalt. Die Band hat die Live-Unterhaltung auf ein völlig neues Level gehoben. Ihre monumentalen Stadion-Shows sind perfekt durchchoreografierte Gesamtkunstwerke.
Brachialer Pyrotechnik
Wenn der Bass durch den Magen geht und die Hitze der Flammenwerfer noch in den hintersten Reihen das Gesicht wärmt.
Imposanten Bühnenkonstruktionen
Kulissen, die an dystopische Industrie-Kathedralen erinnern.
Einer unvergleichlichen Energie
Die pumpenden Rhythmen von Flake, Christoph, Paul, Richard und Oliver reißen Zehntausende im Kollektiv mit.
Auf dieser Seite möchte ich dich mitnehmen auf meine persönliche Reise durch die Welt der Rammstein-Konzerte. Es sind Berichte von schweißtreibenden Nächten, bebenden Stadionrängen und Momenten, in denen die Luft brennt – im wahrsten Sinne des Wortes.
08.06.2023
München, Olympiastadion
Tour: Europe Stadium Tour
Support-Band: Abelard
Das Rammstein-Konzert am 08. Juni 2023 im Münchner Olympiastadion war die zweite von insgesamt vier Shows in München im Rahmen ihrer Europe Stadium Tour 2023. Dieses Konzert stand unter extremen Vorzeichen, da kurz zuvor die schweren Missbrauchsvorwürfe gegen Frontmann Till Lindemann an die Öffentlichkeit gelangt waren.
Das Konzert war mit rund 70.000 Zuschauern komplett ausverkauft. Die Stimmung vor und im Stadion war jedoch von einer spürbaren Anspannung geprägt:
Proteste vor dem Stadion
Wie schon am Vortag versammelten sich vor dem Olympiastadion Demonstranten, um gegen das Stattfinden des Konzerts und die Unterstützung der Band zu protestieren.
Sicherheits- und Awareness-Konzept
Die berüchtigte „Row Zero“ (die exklusive Zone direkt vor der Bühne für ausgewählte weibliche Fans) wurde komplett gestrichen. Zudem gab es ein neu eingerichtetes Awareness-Team, das als Anlaufstelle bei übergriffigem Verhalten diente, sowie den Verzicht auf offizielle Aftershow-Partys.
Stimmung im Stadion
Konzertberichte beschrieben die Stimmung als „abwartend“ und teils emotional aufgeladen. Viele Berichte notierten, dass die Bandmitglieder (besonders Schlagzeuger Christoph Schneider bei den Verbeugungen) sichtlich angeschlagen und gestresst wirkten.
Um keine zusätzlichen Angriffsflächen zu bieten, nahm die Band für die München-Konzerte spontane, deutliche Anpassungen an ihrem Set vor:
Verzicht auf „Pussy“
Der Song wurde komplett von der Setlist gestrichen. Damit fiel auch die traditionelle Showeinlage weg, bei der Till Lindemann auf einer riesigen Peniskanone künstliches Sperma (Schaum) über das Publikum spritzt.
Verkürzte Inszenierungen
Auch andere anzügliche oder extrem aggressive Show-Elemente (wie Teile der Performance zum Song „Mein Teil“) wirkten laut Kritikern gestrafft oder abgemildert.
Lindemanns Abschiedsworte
Der sonst extrem wortkarge Sänger verabschiedete sich am Ende des Konzerts ungewohnt emotional beim Münchner Publikum: „München, danke, dass ihr hier seid. Danke, dass ihr bei uns seid.“
09.12.2011
Frankfurt, Festhalle
Tour: Made in Germany 1995 - 2011
Support-Band: Deathstars
Das Konzert war der zweite Abend in Folge in der restlos ausverkauften Festhalle und Teil des ersten europäischen Abschnitts der massiven „Made in Germany 1995–2011“-Best-of-Tour.
Der Einmarsch und die Bühne
Konzertberichte heben besonders das spektakuläre Intro hervor. Die Band startete nicht auf der Hauptbühne, sondern lief mit Fackeln quer durch das Publikum zu einer kleineren Mittelplattform (B-Bühne). Über den Köpfen der Zuschauer war ein ca. 25 Meter langer, optisch verrosteter eiserner Laufsteg von der Decke herabgelassen worden, über den die Band später auf die Hauptbühne gelangte.
Die Show
Berichte beschreiben den Sound als extrem wuchtig („Wall of Sound“) und die Pyroeffekte als so heiß, dass sich der Innenraum wie ein Sauna-Aufguss anfühlt habe. Neben Klassikern wie den brennenden Mikrofonen gab es das riesige Kochtopf-Spektakel bei „Mein Teil“ sowie die riesige Schaumkanone bei „Pussy“.
Besonderes Highlight des Abends
Auf der Bühne feierte die Band an diesem 9. Dezember den Geburtstag von Gitarrist Paul Landers (er wurde an diesem Tag 47 Jahre alt).
Die Vorband Deathstars
Die schwedische Industrial-Rock-Band berichtete in ihrem Tour-Tagebuch (veröffentlicht im Metal Hammer) enthusiastisch über genau diesen Frankfurter Abend: Sie schrieben, dass sie dachten, die erste Nacht (8. Dezember) sei nicht zu toppen gewesen, der 9. Dezember diese aber „auf unfassbare Weise sogar noch übertroffen“ habe – sowohl auf der Bühne als auch bei der anschließenden, legendär-chaotischen After-Show-Party mit Rammstein im Backstage-Bereich.
30.11.2009
Köln, Lanxess Arena
Tour: Liebe ist für alle da (LIFAD) Tour
Support-Band: Combichrist
Das Rammstein-Konzert am 30. November 2009 in der Kölner Lanxess Arena war die zweite von zwei aufeinanderfolgenden Shows in Köln im Rahmen der legendären „Liebe ist für alle da“ (LIFAD) Tour.
Das Konzert stand ganz im Zeichen des damals brandneuen LIFAD-Albums. Die Setlist bestand aus 18 Songs.
Große Besonderheit
Die Zensur-Version von „Ich tu dir weh“
Dieses Konzert fiel mitten in die Phase, in der das Album Liebe ist für alle da von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) indiziert worden war. Der Song „Ich tu dir weh“ stand auf dem Index und durfte in Deutschland eigentlich weder gespielt noch beworben werden. Um das Verbot zu umgehen und den Song trotzdem für die Fans zu spielen, änderte Till Lindemann kurzerhand den Text und sang eine spezielle, zensierte Version (in Fan-Kreisen auch als „Cologne Version“ bekannt) mit stark abgewandelten, teils ironischen Lyrics oder ließ das Publikum den Refrain singen.
Rammstein und Combichrist waren ein echtes Kontrastprogramm, das aber perfekt funktionierte. Combichrist traten komplett ohne Gitarren auf, sondern setzten auf puren, elektronischen Aggrotech/Industrial mit massiven Beats und gleich zwei Live-Drumsets auf der Bühne. In Fan-Foren hieß es damals oft, dass die Bässe von Combichrist den Sound in der Lanxess Arena fast noch brutaler durchgeschüttelt haben als Rammstein selbst.









